EZur Person

aus der Website von  Gerhard E. Gründler

Andere über mich

Beäugt, getadelt und gelobt


Körperlich genügte er den Anstrengungen. Geistig lebhaft beteiligt bis auf die zu unruhige Haltung u. seine Neigung zum Schwatzen.

Weihnachtszeugnis 1943, Marienstiftsgymnasium Stettin

Herr Gerhard Gründler ... war vom 15. Juni 1945 bis 30. November 1945 bei mir als Volontär. Herr G. wurde in den Abteilungen Dreherei, Schlosserei und in der Feinmechanik beschäftigt. Sein Anpassungsvermögen und seine Fähigkeiten in den oben genannten Tätigkeiten waren durchaus zufriedenstellend. Gründler zeigte sich als einen willigen und fleißigen Arbeiter. Er verläßt den Betrieb, weil er seinen Schulunterricht fortsetzen will.

Paul H. Meyer, Feinmechanik, Preetz in Holstein, Zeugnis vom 7.1.1946

Lebhaft, verbindlich, von guten Formen. Seinem leicht fassenden und vielseitig interessierten Geist droht die Gefahr der Zersplitterung, doch ist sein Bemühen um gleichmäßigere Leistung anzuerkennen.

Frühjahrszeugnis 1949, Max-Planck-Schule Kiel

This is to certify that Gerhard Gruendler has been in attendance at Indiana Uiversity during the second semester, 1952-53. - C.E. Harrell, Registrar and Director

Office of Records and Admissions, Bloomington, Ind., June 2, 1953

Am 1. November 1956 trat er nach Abschluss seines juristischen Studiums bei der "VZ" eine Volontärzeit an, um seinem eigenen Wunsch entsprechend eine reguläre Ausbildungszeit vorweisen zu können, die für ihn angesichts der vorhergehenden Tätigkeit zu einer einjährigen Ausbildungezeit zusammengezogen wurde. Seit dem 1. November 1957 ist er bei der "VZ" als Redakteur im Ressort Politik tätig. Herr Gründler zeichnet sich durch sicheren journalistischen Instinkt und durch Urteilskraft aus. (...) Im Bereich der Politik bewährte sich sein stets waches Interesse an allen Vorgängen, sowie seine Fähigkeit, die Ereignisse in ihren Zusammenhängen zu sehen. Außergewöhnliche stilistische Fähigkeiten und schriftstellerische Phantasie hat Herr Gründler in zahlreichen für die "VZ" geschriebenen Glossen bewiesen. Ebenso schätzen wir seine Bereitschaft, heikle Fragen der Gegenwart journalistisch aufzugreifen, neu zu durchdenken und eine persönliche Überzeugung zu vertreten.

Zeugnis der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung Kiel, 31. Mai 1958

Wir bedauern es sehr, daß Sie künftig nicht mehr für die AFP arbeiten werden, denn Sie haben in der Zeit Ihrer Tätigkeit für uns ( vom 1.1.57 bis 31.8.58 ) die Berichterstattung aus Kiel und dem schleswig-holsteinischen Raum zu unserer vollsten Zufriedenheit ausgeführt.

Bernard Winter, Bonner Bürochef der Agence France-Presse, 4. 6. 1958

Sehr geehrter Herr Gründler, wie ich erfahren habe, verlassen Sie Düsseldorf und übernehmen in Hamburg ein neues Aufgabengebiet. Ich bedaure diesen Abschied und möchte Ihnen für die gewissenhafte, kritische und immer von beispielhafter Verantwortung getragene Erfüllung Ihrer journalistischen Aufgaben gegenüber der Landeshauptstadt danken. Ich habe Ihre Beiträge in der Welt immer mit Vergnügen gelesen. Zur Erinnerung an Düsseldorf übersende ich Ihnen eine Nachbildung unseres "Jan Wellem".

Peter Müller, Oberbürgermeister, 19. 11. 1963

In unserem Hamburger Haus, wo er als Assistent der Chefredaktion eingesetzt war, zeichnete sich Herr Gründler vor allem durch seine umfangreichen Kenntnisse auf juristischem Gebiet und durch besondere Sorgfalt beim Redigieren von Meldungen und Artikeln aus. In zahlreichen von ihm verfassten Kommentaren, Artikeln und Reportagen bewies er seine journalistische Begabung. Seine Arbeit fand stets die volle Zustimmung der Chefredaktion. In seiner Funktion als Korrespondent für Nordrhein-Westfalen war Herr Gründler eine starke Bereicherung für Die Welt. Mit seinem frischen und offenherzigen Wesen fügte sich Herr Gründler ausgezeichnet in die Redaktionsgemeinschaft ein. Seine Hilfsbereitschaft, seine Anregungen und seine Berichte waren für die Redaktion so wertvoll, daß wir Herrn Gründler, der uns auf eigenen Wunsch verläßt, nur mit Bedauern fortgehen sehen.

DIE WELT Verlagsgesellschaft m.b.H, Zeugnis vom 5.12.1963

Ein Geheimnis, das bisher vor der Neugierde des Staatsbürgers sorgfältig abgeschirmt wurde, ist jetzt - auf dem Umweg über Ostberlin - ans Tageslicht gekommen: Die Schubladengesetze für den Notstand. Der stern-Redakteur Gerhard Gründler hat die Photokopien aus der DDR Experten in der Bundesrepublik vorgelegt. Ihr Urteil: Die Dokumente sind echt. Dabei bedrückt den Bürger keineswegs nur, daß irgendwo in Bonn anscheinend eine undichte Stelle ist, viel mehr muß ihn bekümmern, daß hier eine Sache zum Geheimnis gemacht wurde, die in einer Demokratie nicht geheim sein dürfte. Diese Schubladengesetze enthalten, soweit sie bekannt sind, keine militärischen Geheimnisse. sie geben keinen Hinweis auf Strategie und Taktik der westlichen Allianz, dagegen erlauben sie der Regierung, die Sicherungen des Rechtsstaates und die demokratischen Spielregeln außer Kraft zu setzen - nach dem ebenso alten wie schlechten Motto: Notstand ist die Stunde der Exekutive. Die Bundesregierung kann diese Notverordnungen auf Ermächtigung der Alliierten anwenden, auch wenn namhafte Juristen daran zweifeln, ob diese Rechtsgrundlage ausreicht, um im Notfall zu handeln. Und diese Gesetze sollen den Bürger nichts angehen? Und das Parlament auch nicht? Was eigentlich ist eine Demokratie noch wert, wo weder die Bürger noch das von ihnen gewählte Parlament Einfluß auf das haben, was die Exekutive im Notfall unternimmt? "Diejenigen, die diese Gesetze gesehen haben, waren etwas bleich", hat Innenminister Lücke in einem Interview gestanden. Zum Erschrecken ist alle Ursache gegeben. Was hier an Ermächtigungen zusammengetragen ist, würde, falls die Bundesregierung davon Gebrauch machte, das Land in einen finsteren Polizeistaat verwandeln.(...)

Rolf Zundel in der Wochenzeitung DIE ZEIT, Nr. 32, 1966

Die SPD-Wochenzeitung [Vorwärts], von ihrem neuen Chefredakteur Gerhard Gründler aus dem politischen Dornröschenschlaf geweckt...

Gerhard Ziegler in der ZEIT , Februar 1972

Erst jetzt habe ich den Vorwärts wieder zu lesen begonnen - und es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen zu Ihrer Leistung zu gratulieren. Ich lese das Blatt seither mit wachsendem Interesse - es ist jetzt freimütig, kontrovers und auf diese Weise zu einem echten Konkurrenten der 'liberalen' Wochenzeitungen geworden.

Aus einem Brief des Schriftstellers Robert Neumann, Februar 1972

Der einstmals ebenso parteifromme wie langweilige Vorwärts mauserte sich in den letzten beiden Jahren zusehends zum Kritik-Forum der Partei - und vergraulte dadurch vor allem die empfindliche Führung. [Vorwäts-Herausgeber) Kühn: "Es gibt da einige bei uns, die sind dünnhäutiger als ich." Allen voran der frühere Journalist Willy Brandt. Als der ehemalige Bonner stern-Korrespondent Gründler 1971 daranging, die bis dahin kaum beachtete Zeitschrift vom Ruch des tristen Hinterhof-Blattes zu befreien, hatte Brandt noch gelobt: "Man liest wieder Vorwärts." Doch schon bald bekrittelte der Parteichef, die Zeitung berichte zuviel exklusiv über personellen Zwist in der SPD.

Besonders verärgerte es ihn, als das parteieigene Blatt den Friedensnobelpreisträger rügte, er hätte zum amerikanischen Bombenkrieg in Vietnam nicht schweigen dürfen. Der Vorsitzende ließ seinen Chefredakteur wissen, er wünsche sich als Leser weniger Meinungsbeiträge und dafür mehr Nachrichten-Geschichten im Vorwärts. Im vergangenen Monat bot sich dem Kanzler Anlaß zu neuem Ärger. Im ostpolitischen Streit zwischen Brandt und Herbert Wehner hatte sich das Parteiblatt ("Haben wir denn nicht überzogen?") auf die Seite des SPD-Fraktionschefs gestellt. Brandt, auf den Vorwärts angesprochen, unwirsch: "Ich habe ihn noch nicht gelesen, und ich habe auch nicht die Absicht."

Doch der Kanzler steht nicht allein. Auch Städtebauminister Hans-Jochen Vogel, kaum ins SPD-Präsidium gewählt, legte sich mit Gründler an. Der Ressortchef bezichtigte die Redaktion. die auch Juso-Meinungen zu Wort kommen läßt, en détail gar selbst vertritt, sie brächte seine Reden nur ungenügend zur Kenntnis der Vorwärts-Leser, in vertrautem Kreise warf der Partei- Rechte dem Chefredakteur außerdem vor, er treibe das Traditionsblatt nach links ab.

Entschiedenster Gegner des Gründler-Vorwärts ist der langjährige (bis Juni 1973) Herausgeber Wehner. Zunächst hatte der Fraktionsvorsitzende den neuen Redaktionschef eines regelmäßigen Gedankenaustauschs für wert befunden. Doch als Gründler das brave und biedere Blättchen zu einer kritischen und zugleich erfolgreicheren Zeitung aufputzte (Anstieg der Abonnentenzahl seit Gründlers Amtsantritt: von 40 000 auf 51 000), entzog der Parteipatriarch dem Schriftleiter seine Gunst. Die Genossen in der Baracke, die dem Altjournalisten nachsagen, er habe in den ersten Nachkriegsjahren als Redakteur beim Hamburger Echo seine Leser mit Vorliebe durch den Abdruck endloser Reden des Parteivorsitzenden gelangweilt, wissen warum. Ein Genosse: "Es hängt mit Wehners spezifischen Vorstellungen von Journalismus zusammen" - Vorstellungen, nach denen SPD-Schreiber zuallererst auf kritikloses Wohlverhalten gegenüber der Partei verpflichtet seien.

Die Verstimmung wuchs, als sich Genossen-Schelte im Parteiorgan häufte. Wehner brach, so Kühn-Mitarbeiter Uwe Janssen, die "diplomatischen Beziehungen" zur Redaktion ab. ließ Gründlers Briefe unbeantwortet und schrieb selbst lieber in der konservativen "Augsburger Allgemeinen".Noch bevor Wehner als stellvertretender Parteivorsitzender zurücktrat. offenbarte er dem SPD-Schatzmeister und Mitherausgeber Alfred Nau brieflich, er habe die Lust am Vorwärts verloren. Wie andere Opfer seiner Verachtung nennt er den "Vorwärts"-Chefredakteur seither nicht mehr beim Namen. Gründler, Besitzer eines Cockerspaniels, ist für ihn nur noch "der Herr mit dem Hund".

DER SPIEGEL Nr. 46, vom 12.11.1973

Mittagessen Gründler (Vorwärts), sehr norddeutsch, diszipliniert, aber seine weiche Zurückhaltung verbirgt nur eine wattierte Erregbarkeit. Die Schwierigkeit seiner Aufgabe: ein lesbares Blatt und es dennoch den Parteioberen recht zu machen. Bemerke mit Erstaunen, wie wichtig sein (liebenswürdiger und verspielter) Hund in seiner Existenz ist. Er erwähnt ihn bei jeder Begegnung ausführlich: Die Pflicht, das Tier spazieren zu führen... Hund hat Herr an der Leine. (8.3.1973)

Bei Helmut Schmidt: Sprechen kurz über SPD-Presse im Zusammenhang mit Frankfurter Rundschau. Er meinte, die Partei solle ihre Finger davon lassen, sie richte Zeitungen zugrunde. Auch der Vorwärts sei unter Gründler keine Zeitung geworden. (14.6.1973)

Gespräch mit Willy Bandt: Beim Vorwärts steigert sich die Wut. Damit wolle er nichts mehr zu tun haben. Was solllte er mit einem Chefredakteur, der das Manuskript von Grass vor dem berühmten Fernsehauftritt in der Hand hatte, noch ehe die Aufnahme gemacht war. Ich wende ein, er könne sich die Loyalität dort erzwingen. Aber das lehnt er kalt ab. Ich schätze Gründler, aber das Blatt ist miserabel gemacht. (12.1.1974)

Klaus Harpprecht in seinem Tagebuch "Im Kanzleramt"

Schon für die Verhandlung zwischen Redaktion und Verlag [über das stern-Statut] hatte die Vollversammlung der Redakteure erste Vertreter gewählt, die dann auch der erste Redaktionsbeirat werden sollten, nämlich Henri Nannen, Victor Schuller (stellvertretender Chefredakteur), Gerhard Gründler, Manfred Bissinger, Rolf Gillhausen, Winfried Maaß, Heinrich Jaenicke - eine ausgezeichnete Besetzung. Mit diesen Leuten ließ sich verhandeln, mit ihnen hat der Verlag das Statut abgeschlossen. Gründler (jetzt Chefredakteur des Vorwärts) hatte früh erkannt, daß man dem Verlag gute Leute präsentieren müsse. Er hatte bei seinen Kollegen zäh und beharrlich dafür geworben, auch die Redaktionsspitze, Nannen und Schuller voran, in den Beirat zu wählen. Dieser Idealzustand hat sich nicht halten lassen.(...)

Gerd Bucerius 1974 in seinem Buch "Der angeklagte Verleger", S. 71

In Wahrheit ist dies alles [die sowjetische Politik nämlich] nicht anderes als das altbekannte Spiel der Katze mit der Maus. Und erst nach Jahren fällt dann in westlichen Gehirnen der Groschen, wenn beispielsweise ... Gerhard Gründler, Chefredakteur des sozialdemokratischen "Vorwärts", stellvertretend für unsere Bonner Regierer das haarsträubende Eingeständnis an Werner Höfers Stammtisch entschlüpft, alle Verfechter der Ostpolitik in der sozial-liberalen Koalition seien sich "von Anfang an darüber im klaren gewesen, daß die Politik der Annäherung eine noch intensivere Abgrenzung des SED-Regimes zur Folge haben werde." Inzwischen hat der jüngste Staats-"Vertrag" vom 7. Oktober 1975 Mitteldeutschland zu einem "ewigen" Teil der Sowjetunion und West-Berlin zu einem Anhängsel von Ost-Berlin erklärt.

Das Ostpreußenblatt, 22.2.1976

Mit seinem neuen Modell will (der neue Chefredakteur) Merz, der in der Parteizentrale im Ruf eines gewieften Taktikers steht, den Vorwärts aus der Finanzmisere und zugleich aus der innerparteilichen Kritik bringen. Die Zeitung erwirtschaftete einen Verlust von zuletzt einer Million Mark im Jahr. Der auf Distanz zur SPD bedachte Journalismus des Merz-Vorgängers Gerhard E. Gründler, der von sich aus im letzten Dezember kündigte, hatte zudem die meisten Parteioberen vergrätzt. Merz versprach denn auch bereitwillig, den "Vorwärts" wieder "stärker an die SPD heranzuführen. Die Parteispitze bewilligte daraufhin Investitionen, um die Gründler jahrelang vergeblich gekämpft hatte.

DER SPIEGEL Nr. 26, vom 21.6.1976

Ihre Beschreibung des Kanzlers und seiner "Mood" im letzten stern war fabelhaft. Ohne Frage das beste "Treatment" dieses Mannes das ich in letzter Zeit gelesen habe. Ich habe vorgeschlagen, dass wir den Artikel uebersetzen lassen, um ihn fuer einen breiteren Kreis zugaengig zu machen. Die "deutsche Rolle" wird ein immer groesseres Thema in Washington, sowohl im State Department als auch in der Presse. Wie Sie wissen, ist diese Entwicklung nicht ganz unproblematisch. Umsomehr freue ich mich deshalb ueber ihren Artikel im stern.

John Kornblum, US-Department of State, Washington D.C., German Desk
(Brief vom Oktober 1978)

Zur Verabschiedung von Gerhard E. Gründler, der seit Mai 1979 Redakteur und Kommentator im Hörfunkstudio Bonn des Westdeutschen Rundfunks war und zum Direktor des NDR-Funkhauses Hamburg berufen wurde, hatte Hörfunk-Chefredakteur Dieter Thoma einen größeren Kreis von Journalisten von Presse und Rundfunk am 14. Mai nach Bonn eingeladen. Mit den Weggang Gründlers von Bonn verabschiede sich ein Journalist von Journalisten, aus einer Gemeinschaft, die gerade in einer politischen Hauptstadt über Mediengrenzen hinweg noch existiere, sich austausche und kenne, kritisiere und achte. Viele hätten ihm versichert, daß Gerhard Gründler ein wichtiger Kollege in ihrer Journalistenrunde gewesen sei, sagte Thoma. Ihm selbst habe Gründler imponiert, "weil er keiner von denen ist, bei denen die Verfügungsgewalt über ein freies Blatt Papier, ein Mikrofon oder gar eine Kamera milden Größenwahn erblühen ließ. Wir waren uns einig darüber, daß eine Meinung nicht deswegen schon wichtiger oder besser wird, weil nan das Privileg hat, sie öffentlich zu äußern". Die besten Journalisten seien wohl immer noch die, die auch Angst hätten vor dem, was man mit dem Wort anrichten könne. Zu Reaktionen auf die Berufung Gründlers nach Hamburg, die "Proporz"-Überlegungen dafür unterstellt hatten, bemerkte Dieter Thoma, Proporz möge sicher manchmal beklagenswerte Folgen haben. "Wer aber einen Journalisten dieser Qualität, wie sie Gerhard Gründler täglich bewiesen hat, in diesem Falle so einordnen will, der fügt diesem ganzen Berufsstand Schaden zu. So unbestritten ist unabhängiger und freier Journalismus auch bei uns nicht, daß wir uns das leisten sollten oder könnten". Thoma schloß mit besten Wünschen für den scheidenden Kollegen: "Manche von uns fordern auf, daß mehr Journalisten auf Hierarchieposten der Rundfunkanstalten gesetzt werden müßten. Wenn es dann geschieht, sagt man: Schade, daß ausgerechnet der dem aktuellen Journalismus verloren geht! Wir wünschen Ihnen trotzdem viel Glück und Erfolg, Herr Direktor! Behalten Sie bitte auch in Hamburg noch einiges von dem, was Sie hier waren!"

Meldung der WDR-Pressestelle vom 18.Mai 1981

Der Direktor des Funkhauses Hamburg, Gründler, hat seinen Austritt aus der RFFU [Rundfunk-, Fernseh-, Film-Union des DGB] erklärt. Ohne Begründung. Der Sozialdemokrat und einstige Chefredakteur des Vorwärts hat eben erfasst, worum es geht: wenn man erst einmal Direktor ist, nützt die Mitgliedschaft im DGB der Karriere nicht mehr. Wir wünschen dem vormaligen Kollegen und jetzigen Herrn Gründler bei seinem weiteren Aufstieg viel Erfolg.

"Klartext", Zeitschrift des NDR-Verbandes der RFFU, August 1983

Nur eine Zeitung, die politische und intellektuelle Spannung erzeugt, (kann) innerhalb und außerhalb der SPD Leser finden und nennenswerten Einfluß auf die öffentliche Diskussion gewinnen. Ich habe [zur Begründung des Neins zur Übernahme der Chefredaktion des Vorwärts] meinen prinzipiellen Zweifel erklärt, ob die SPD irgendwann wirklich einzusehen bereit ist, daß sie ihre Konflikte auch öffentlich namhaft machen und die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Personen und über Positionen auch mit Ehrlichkeit austragen muß. Gewiß, dann und wann ist das versucht worden: Ein fähiger und umsichtig urteilender Mann wie Gerhard Gründler hat den Vorwärts in diese Richtung zu bewegen versucht. Er war zum Schluß seiner Zeit als Chefredakteur des Blattes tief resigniert.(...)

Der frühere Regierungssprecher Klaus Bölling
in seinem Buch "Bonn von außen betrachtet" (DVA 1986)

Ich habe ... auf einer Werbepostkarte der Deutschen Volksfürsorge den Spruch gelesen: "Wer im Alter noch rüstig ist, kann im Leben unmöglich was geleistet haben." ... Bei solchen Überlegungen kommen einem dann Sprüche in den Kopf, die Gerd bezeichnenderweise immer gefallen haben in seinem selbstironischen Verhältnis zu seinem Beruf. Zum Beispiel der Spruch des englischen Korrespondenten George Vine: "Journalism is a lousy job but it's better than working!" Solche ironisch melancholischen Sprüche gefallen ihm, denn sie spiegeln irgendwie auch seine Art von Humor. So wie der Spruch von Groucho Marx: "Ich möchte in keinem Club sein, der Leute wie mich aufnimmt." Diesen Spruch hat er ... abgewandelt im Hinblick auf das durchaus skeptische Urteil seiner Eltern über seine Berufswahl: "Eigentlich hätte es mir peinlich sein müssen, einen Beruf zu haben, in dem Leute wie ich etwas werden konnten."

Mein Freund Jürgen Kellermeier zu meinem 70. Geburtstag, März 2000

Genscher allerdings geizte mit dem Du. Er machte Ausnahmen. Als in Freiburg die nach dieser schönen Stadt benannten "Thesen" der FDP beschlossen wurden, trug er in einem Nobelhotel dem Politik-Chef des stern und späteren Chefredakteur der SPD-Wochenzeitung Vorwärts, Gerd Gründler, das "Du" an. Gründler sei einer der wenigen Sozialdemokraten, die er gut leiden könne. Als Gründler einige Zeit später in eine Luftwaffenmaschine einstieg, mit der Genscher, begleitet von einem Korrespondentenpulk, in irgendein fernes Land reiste, begrüßte ihn der Journalist: "Guten Tag, Herr Minister." Darauf Genscher: "Du Arschloch". Das war als eine verbale Liebkosung gedacht, eine anhaltinische Variante von Zuneigung. Gerd Gründler, dem die Szene bis zum heutigen Tag genau in Erinnerung geblieben ist, war etwas verblüfft. Man kann es verstehen.

Klaus Bölling in der "Süddeutsche Zeitung" (1./.2. März 2003)

Der stern war Geburtshelfer der neuen Ostpolitik. Das ging nicht ohne Kämpfe in der Redaktion. Man kann diskutieren, ob Henri Nannen von dieser Linie überzeugt war oder zu ihr gedrängt wurde von uns, von Redakteuren wie Erich Kuby, Gerhard Gründler, Heinrich Jaenecke und auch Manfred Bissinger.

Günter Schwarberg in der Zweiwochenschrift "Ossietzky", 19/2005



© Gerhard E. Gründler
www.gerdgruendler.de
18.03.2011
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