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aus der Website von Gerhard E. Gründler
Anmerkungen, Einspruch, Unsinn und Replik
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Betr.: Freya von Moltke5.01.2010
An: Chefredaktion ARD-aktuell
Als gestern Abend in den Nachrichten der Tagesthemen der Tod der Gräfin Moltke gemeldet wurde, hat mich doch erschreckt, von einer (so wörtlich) "NS-Widerstandskämpferin" zu hören. Abgesehen davon, dass im Kreisauer Kreis und in seiner Philosophie keine "Kämpfer" vorgesehen waren: Als "NS-Widerstandskämpfer" wären doch wohl nur jene Nationalsozialisten zu bezeichnen, die gegen die "Novemberrepublik" agitiert hatten. Genau genommen waren sie Saboteure der Weimarer Republik. Deshalb: Ein unpassenderes Etikett konnte der überzeugten Demokratin Freya von Moltke kaum verpasst werden. - Dies soll nun keine Beschwerde werden, sondern nur ein Appell an das sprachliche Feingefühl. Als Buße für das Verfassen der Meldung empfehle ich, die Verantwortlichen anzuhalten, wenigstens einen Blick in die "Briefe an Freya" zu werfen, die Helmuth James von Moltke zwischen 1939 und 1945 an seine Frau geschrieben hat (erschienen bei C.H.Beck, München 1988). Sollte Sie der nachlässige Sprachgebrauch weniger erschreckt haben als mich, was ich nicht glaube, läge es wohl an meiner Zeitgenossenschaft.
Mit kollegialem Gruß ----------------------------------------- GEG5.01.2010
Sehr geehrter Herr Gründler,
vielen Dank für Ihren elektronischen Brief vom 05.01.10, in dem Sie sehr kollegial auf eine sprachliche Unpässlichkeit hinweisen. Es liegt keineswegs an Ihrer Zeitgenossenschaft, dass Sie betrübt sind über die angemahnte Fehlleistung. Zwar ist es im allgemeinen Sprachgebrauch mit der prägenden Konnotation der Begrifflichkeit "Widerstand" leider keineswegs unüblich geworden, von NS-Widerstandskämpfern zu reden, wenn Gegner des NS-Regimes gemeint sind. Es bleibt aber unangemessen, um nicht zu sagen falsch. Es hätte Ihres Hinweises nicht bedurft, wir sind aber sehr dankbar dafür, zeigt es doch, dass unsere Bemühungen zur Aufrechterhaltung einer grammatikalisch korrekten Sprechweise ihren Widerhall in der Gesellschaft finden. Sie dürfen gewiss sein, dass wir an einem Strang ziehen und das sprachliche Feingefühl weiter hoch halten werden. Der Urheber der Meldung ist einsichtig und nun ebenfalls betrübt. Das hat geholfen.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Hinrichs, Zweiter Chefredakteur ARD-aktuell30.11.2009
An: Süddeutsche Zeitung, Leserbriefe
Sehr geehrte Redaktion,
zu Ihrem Leitartikel zum Thema Minister-Rücktritte erlauben Sie mir bitte eine ergänzende Anmerkung: Heribert Prantl sieht "Grund zur Bewunderung" nur bei "genau fünf" Rücktritten von Bundesministern in sechzig Jahren: bei Gustav Heinemann, Erhard Eppler, Christian Schwarz-Schilling, Rudolf Seiters und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Bewunderung ist es nicht, was ich ich empfinde, wenn jemand von sich aus ein Ministeramt aufgibt; Respekt tut's ja durchaus. Den aber haben wohl auch Paul Lücke und Alex Möller verdient. Der eine trat als Innenminister zurück, als die erste Große Koalition das vereinbarte Mehrheitswahlrecht von der Agenda strich, der andere als Finanzminister, als ihm klar wurde, dass die ehrgeizige Reformpolitik der sozial-liberalen Koalition in wenigen Jahren nicht mehr zu finanzieren sein werde.*)
- GEG
*) erschien leicht gekürzt in SZ vom 12./13.12.2009
Betr.: Journalistische Anfrage
7. Mai, 2009
Von: Christian Pohle, Newquai/Cornwall, England/UK
Dear Sir,
I am researching today's position and status of journalism in Germany as part of my studies here at the University College of Falmouth, England. I am hoping that at the end of my research differences and similarities in journalism's status and moral attitude of both, British and German journalists will become more apparent.
I am therefore asking you kindly to answer three questions (in German, if you prefer) to help me concluding these studies. Your assistance would enable me to compare these two important contributors of international news writing and reporting.
• In the UK journalism is seen as "the fourth estate" (die vierte Gewalt) and its role is to observe and oversee that government follows a "democratic path", honouring democratic principles of freedom of information and general press freedom, so enabling journalists to inform the general public. How would a German journalist describe Journalism's position and status in the Federal Republic?
• British journalist Martin Bell appeals for a "journalism of attachment", arguing that journalists should not always be unbiased, but show compassion and even take sides to reflect and show the true impact of an event (i.e. war) on the public. Would you agree with Martin Bell or do you believe neutrality is vital for journalism?
• How do you see the future of journalism (specifically in Germany)? Could globalisation and centralisation of media ownership endanger the journalistic independence and how strong do you believe is political influence and censorship in journalistic Germany?
I would like to thank you in advance for your assistance in this matter and remain with kind regards,- Chr. P.
Von: Gründler
21. Mai 2009
Hallo, Herr Pohle,
gerne will ich mich zu den drei Punkten Ihrer Anfrage äußern.
(1) Ich scheue mich, die Medien samt ihrem journalistischen Personal als "vierte Gewalt" zu begreifen. Jeder Journalistenstreik spricht schon dagegen; Gewalten streiken ja nicht, sie werden bestreikt. Medien gleichwohl zu einem Element unserer nach Gewalten geteilten staatlichen Ordnung zu erheben, lädt dazu ein, sie für staatspolitische Aufgaben, vielleicht sogar für die Staatsräson in Anspruch zu nehmen. Sie sollten aber doch frei bleiben, sich ihre Ziele selber zu setzen und auch selber darüber zu befinden, was sie ihrem Publikum oder ihrer Kundschaft anbieten wollen: mehr oder weniger an Information und Meinungsbildung, Bildung und Erziehung - oder aber vornehmlich Unterhaltendes, Lifestyle und Lebenshilfe. Nur wo der Publizistik diese Wahlfreiheit garantiert ist, da gibt es lebendige Demokratie. Die Pressefreiheit gilt doch nicht nur für Medien, die sich die Kontrolle der staatlichen Gewalten zur Aufgabe machen. Gewiss ist die politische Publizistik der Demokratie förderlicher als allzu seichter Boulevard-Journalismus. Aber eine Verpflichtung der Journalisten auf das, was der Mehrheit als seriös gilt, oder gar auf die Hebung des Niveaus unserer politischen Bildung und demokratischen Kultur würde publizistische Freiheit auf ein Programm volkspädagogischer Pflichtübungen reduzieren.
(2) Ja, ein "journalism of attachment" macht Reportagen, Hintergrundartikel, Kommentare, Kolumnen und Feuilletons überhaupt erst interessant und lesenswert. Wer aber über das Zeitgeschehen berichtet, wer Nachrichtentexte liefert und Informationssendungen gestaltet und redigiert, der kann, will er in einer pluralistischen Gesellschaft Glaubwürdigkeit erlangen und Zuverlässigkeit beweisen, auf eine möglichst neutrale und meinungsfreie Auswahl, Bewertung und Gewichtung der Vorgänge und der relevanten Fakten nicht verzichten. Journalismus ohne "Attachment" ist fade, Journalismus ohne Streben nach Neutralität und Objektivität macht sich früher oder später irrelevant und überflüssig.
(3) Was die Zukunft des Journalismus in Deutschland angeht, so gibt es sowohl erfreuliche als auch besorgniserregende Anzeichen. Um mit letzteren zu beginnen: Der Schwund an publizistischen Einheiten bedroht nicht nur die Vielfalt an Betrachtungs- und Darstellungsweisen, er bedroht auch die journalistische Unabhängigkeit unjd begünstigt indirekten politischen Einfluss durch Vorgesetzte und Verleger; je schwieriger es wird, seinen Arbeitsplatz zu wechseln, um so stärker wird der Anpassungsdruck, um so risikoreicher das Aufrechterhalten eigener Überzeugungen und das Bewahren subjektiver Urteilskraft. Von den globalen Tendenzen zur Kommerzialisierung der journalistischen Arbeit, zur übermäßigen Personalisierung gesellschaftlicher Entwicklungen und zur leichtfertigen Skandalisierung politischer Vorgänge gar nicht zu reden. Eines aber stimmt mich als älteres Mitglied der journalistischen Zunft doch eher zuversichtlich: Es gibt heute in Deutschland mehr Journalistinnen und Journalisten mit guter Vor- und Ausbildung als jemals zuvor. Die Zeiten, in denen man mit einigem Recht über die Branche der verkrachten Existenzen und abgebrochenen Studenten Witze machen konnte, sind offenbar vorüber. Journalistenschulen und journalistisch orientierte Studiengänge haben dazu eben so viel beigetragen wie der Umstand, dass Qualitätszeitungen und Zeitschriften genauso wie Rundfunk und Fernsehen ihrem Nachwuchs immer häufiger ein abgeschlossenes Hochschul- oder Fachhochschulexamen abverlangen. Auch hat die Volontärausbildung selber an Gründlichkeit und Qualität gewonnen. Und schließlich: Zensur von staatlicher Seite hat in Deutschland in der Tat noch niemals so wenig stattgefunden wie heute, da sie vom Grundgesetz - hoffentlich - ein für alle Mal abgeschafft worden ist.
Mit besten Wünschen für Ihre Arbeit und freundlichem Gruss
- GEG
Betr.: Georg Christoph Lichtenberg
15.April 2008
Von: Klaus Hübner, Göttingen
Sehr geehrter Herr Gründler,
eine angenehme, informative Website, auch zu Georg Christoph Lichtenberg. Aber tilgen Sie bitte den "Unfall" aus der Biographie.*) Seit den Arbeiten des Mediziners Horst Gravenkamp gilt als gesicherte Ursache eine Kyphoskoliose, wohl als Folge einer kindlichen Rachitis, was früher bekanntlich häufig auftrat! Das Ammenmärchen mit der unachtsamen Amme fand sich in älteren Biographien.
Beste Grüße
Klaus Hübner, Geschäftsführer der Lichtenberg-Gesellschaft e.V.
*) sogleich geschehen.
Betr.: Der Putschist Ludendorff
9. August, 2007
Von: Michael Huck
Sehr geehrter Herr Gründler,
bin zufällig auf Ihre Seite gestoßen und finde besonders den Beitrag über den Nürnberger Prozess interessant, und hoffe ich kann ihn später mal gründlich lesen, da ich im Augenblick leider kaum Zeit habe. Beim Überfliegen bin ich auch auf Ihre Anmerkungen zum Hitler-Ludendorff-Putsch gestoßen. Die Bezeichnung von Ludendorff als Diktator ist meiner Meinung nach völlig unzutreffend, auch wenn sie immer wieder benutzt wird. Hitler, Stalin hatten diktatorische Macht und Gewalt, wogegen es im 1. Weltkrieg eine klare Trennung zwischen der Obersten Heeresleitung (OHL) und Regierung gab.(Und die Regierung hat weit mehr vergeigt als die OHL). Ludendorffs Freispruch wegen Hochverrat war - genau genommen gar nicht so daneben: Hatte Ludendorff nicht einen Eid aufs Kaiserreich geschworen und musste er aus dieser Haltung heraus die Weimarer Republik nicht zwangsläufig ablehnen? Ist eben alles eine Frage des Standpunktes. Liebe Grüße,
Michael Huck
Von: Gründler
11. August, 2007
Sehr geehrter Her Huck,
Dank für Ihre Zuschrift zu meiner Website. Den Text über den Nünberger Hauptkriegsverbrecherprozess auf dem Bildschirm zu lesen, oder ihn auszudrucken, dürfte ein beschwerliches Vorhaben sein. Das Buch ist vergriffen, über das Zentralverzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB.com) könnten Sie aber sicherlich noch ein mehr oder weniger gut erhaltenes Exemplar auftreiben. - Was Ludendorff angeht, so will ich mit Ihnen über die Bezeichnung Kriegsdiktator nicht streiten. In Arthur Rosenbergs Buch "Die Entstehung der Weimarer Republik" werden allerdings eine Menge Umstände genannt, die diese Bezeichnung nahelegen. Andere Historiker sind Rosenbergs Einschätzung gefolgt. Nicht jeder Diktator ist ja auch ein Tyrann oder Willkürherrscher vom Kaliber Stalins oder Hitlers. Bei dem Putsch, den Ludendorff mitangezettelt hatte, sind immerhin mehrere bayerische Polizeibeamte widerrechtlich erschossen - um nicht zu sagen: ermordet - worden. Auch Hochverrat war eine Straftat, die nicht mit einer Ablehnung der Weimarer Republik, gerechtfertigt oder entschuldigt werden kann. Ich folge also nicht Ihrer Ansicht, dabei handele sich nur um eine Frage des individuellen Standpunkts. Es war und ist eine Frage des damals auch für Republikfeinde geltenden Strafrechts. Das alles hat Gritschneder in seinem Buch, das auf meiner Website erwähnt wird, akribisch dargelegt. Mit besten Grüssen - GEG
Von: Michael Huck
13. August, 2007
Sehr geehrter Herr Gründler,
vielen Dank für Ihre rasche Antwort. Ich denke Diktator trifft es einfach nicht. Dazu gehört auch politischer Antrieb, auch im Falle von Militärs wie Franco, Julius Cäsar, Napoleon oder Pinochet, der Ehrgeiz politsch an der Spitze zu stehen und diese Macht bis zuletzt festzuhalten. Hindenburg war ja bereits im Ruhestand und Ludendorff Kommandeur im Rheinland, ehe sie während des Krieges an die militärische Spitze kamen. Das Streben nach politischer Macht um eben dieser Macht willen trifft für die Zeit 1914-18 nicht zu. Darüber war immer noch der Kaiser, der Ludendorff entlassen konnte und Hindenburg den Befehl zum bleiben gab. Diktatoren hätten sich das doch gar nicht bieten lassen, ebenso die ständigen Auseinandersetzungen zwischen OHL und den politischen Stellen. Die heutige Geschichtsschreibung macht es sich zu einfach, die Politik (auch vor 1914) hat weit mehr versagt. Hindenburg und Ludendorff´s Aufgabe bestand darin Krieg zu führen (was auch auf Militärs wie Rommel & Montgommery, Grant & Lee, usw zutrifft) Politische Ambitionen oder den Ehrgeiz politische Macht auszuüben kann ich bei Hindenburg und Ludendorff jedenfalls für die Zeit 1914-18 nicht erkennen. Liebe Grüße,
Michael Huck
Von: Gründler
14. August 2007
Sehr geehrter Herr Huck,
meinetwegen können Sie Recht behalten. Man kann Militärbefehlshaber, die Industrie und Wirtschaft kommandieren, die Herren der Propagandaapparate sind und sogar die Presse zensieren und Zeitungen verbieten dürfen, nennen wie man will. Spachregelungen sind ja immer fehl am Platze. Auch dies ist aber nicht allein eine Frage des Standpunktes, sondern auch eines unterschiedlichen Informationsstandes. In diesem Sinne mit besten Grüßen- GEG
Im Herbst 2006 machte ich die Redaktion der Süddeutschen Zeitung darauf aufmerksam, dass in ihrer Serie zur Nachkriegszeit der britische Liaison Officer Michael Thomas irrtümlicherweise den Vornamen Stefan erhielt habe und das (inzwischen geschlossene) Hamburger Hotel Prem als Perm firmiert. Als niemand antwortete, schrieb ich nach einiger Zeit noch einmal: Ich hätte doch mit einer Reaktion gerechnet. Daraufhin kam eine E-Mail:
Von: Joachim Kaeppner, Süddeutsche Zeitung
Datum: 13.11.2006 14:39
Betreff: Ihr Brief
Sehr geehrter Herr Gründler,
wie es aussieht, haben wir Ihnen noch gar nicht auf Ihren Hinweis auf zwei Fehler (...) geantwortet - dafür bitte ich sehr um Entschuldigung. Wenn Sie sich schon die Mühe machen, uns zu schreiben, verdienen Sie natürlich auch eine Antwort, und ich danke Ihnen daher sehr für Ihre Anmerkungen. Wir haben beides nachgeprüft, und Sie haben natürlich vollkommen recht. Für die Buchfassung habe ich beides korrigieren lassen, und was das ,,Perm'' alias ,,Prem'' angeht, war mein Verdruss nicht gering, weil mir erst durch Ihren Brief wieder einfiel, dass ich Mitte der achtziger Jahre als Neuankömmling in Hamburg beeindruckt vor der dunklen, im Schneetreiben hoch aufragenden Fassade des Prem stand, das seinerzeit noch umgeben von urbaner Ödnis war, heute ist ja alles schick bebaut.
Als Dankeschön erlaube ich mir, Ihnen ein Exemplar der Buchfassung zuzusenden, wir müssten die ersten Exemplare in den nächsten Tagen erhalten
Mit freundlichen Grüßen
Joachim Käppner
Ressortleiter Lokales.
*
Am 5.1.2007, fast zwei Monate später, fragte ich nach:
Sehr geehrter Herr Käppner,
zunächst: fürs neue Jahr Ihnen und der SZ nur Gutes! Sodann: Ist die Buchfassung inzwischen erschienen? Wenn ja - bei mir noch nicht.
Nichts für ungut - GEG
*
Am 5.1.07 kam eine automatisch generierte Antwort:
Betreff: Joachim Kaeppner ist außer Haus
Ich kehre zurück am 07.01.2007.
Ich werde Ihre Nachricht nach meiner Rückkehr beantworten
*
Nach einem Monat am 8.2.07 ein neuer Versuch:
Hallo, Herr Käppner,
Sie werden sich daran erinnern, dass Sie mir etwas ve rsprochen hatten. Das Buch wird ja inzwischen wohl erschienen sein, bei mir allerdings immer noch nicht. Vielleicht haben Sie noch eins übrig.
Mit besten Grüssen - GEG
*
Letzter Versuch am 23.2.07:
Sehr geehrter Herr Kaeppner,
kann ich auf das mir versprochene Buch noch rechnen?
Beste Grüsse aus Hamburg - GEG
Betr.: Sabine ChristiansenLeserbrief an die Süddeutsche Zeitung
16. 1.2007
Hans Leyendecker schreibt (SZ vom 16. 1. 2007), Frau Christiansen habe es lange nachgehangen, "dass sie keine gelernte Journalistin ist". Ja, es hat ihr nachgehangen, aber es stimmt trotzdem nicht. Sie hat beim Norddeutschen Rundfunk volontiert und danach im Hamburger Landesprogramm als Redakteurin gearbeitet, bevor sie zu den Tagesthemen wechselte. Als damaliger Direktor des NDR-Landesfunkhauses (1981 bis 1992) habe ich ihre Anstellung vorgeschlagen und möchte heute nur so viel sagen: Sie verstand ihr Geschäft und hat vor allem mit Wirtschaftssendungen zur Attraktivität der Regionalsendung (heute: "Hamburg Journal") beigetragen. Dass sie eine "frühere Stewardess" war, woran Leyendecker noch einmal erinnert hat, konnte ihr vor der Kamera nur nützlich sein.
Gerhard E. Gründler, Hamburg
(erschienen am 19. 1. 2007)
Betr.: Philipp Scheidemann
Von: Jan Christoph Müller
Datum: 07.11.2006
Nachricht: Guten Tag! Ich bin zufällig auf ihre Internetseite gestoßen und habe (Im Text über die Revolution 1918 auf der Seite "Fragezeichen") das Bild von Scheidemann entdeckt. Das Bild zeigt ihn allerdings nicht beim Ausrufen der Republik.Von diesem Ereignis gibt es weder Ton- noch Bildaufnahmen
MfG Jan Müller
Von: Gründler
Datum: 8.11.2006
Hallo, Herr Müller,
für Ihren Hinweis wegen des Scheidemann-Bildes bin ich Ihnen sehr dankbar. Ich werde das ... korrigieren.
Beste Grüsse - GEG
Von: Jasmine M.
Datum: 7 Oktober, 2006Nachricht: Sehr geehrter Herr Gruendler!
In der Schule halte ich ein Referat zum Thema Personenkult. Ich würde mich sehr freuen wenn Sie mir mit Antworten auf meine unbeantworteten Fragen helfen könnten. Also:
1.) Wo gibt es heutzutage noch ausser beim Papst Personenkult?
2.) Wieso sehen die Menschen bei Personen wie Hitler nicht auch die schlechten Seiten oder wollen sie die nicht sehen?
MFG Jasmine
Von: Gründler
Datum: 9. Oktober. 2006Hallo, Jasmine,
erst einmal wünsche ich Dir viel Erfolg für das Referat. Ob ich dazu beitragen kann, weiß ich nicht, versuche es aber:
1.) Wo gibt es heutzutage noch ausser beim Papst Personenkult? - Ob es beim Papst wirklich Personenkult gibt, erscheint mir fraglich. Der Kult gilt dort ja hauptsächlich der Institution des "Stellvertreters". Dass einige Würdenträger und Funktionäre im Vatikan den Amtsträger vergöttern mögen, will ich nicht ausschließen. Aber der Vorgänger war davon wohl mehr betroffen als Benedikt XVI., der dafür erst einmal ein paar Amtsjahre braucht, um seine Person "kultanfällig" zu machen. Und wenn man denn das vatikanische Zeremoniell wirklich als Personenkult verstehen wollte, müsste doch wohl den meisten Gläubigen immer noch zugebilligt werden, dass Ihnen eines bewusst ist: Es gibt da immer noch 'ne höhere Adresse im Himmel oder wo immer. Das setzt den schädlichen Folgen eine Grenze. - Für mich ist derzeit das unangenehmste Beispiel für Personenkult immer noch der "Große Führer" in Pjöngjang in Nordkorea, der es so macht wie sein Vater, der noch "größere" Kim ll Sung. Ja, Stalin war ein schlimmes Beispiel und Hitler selbstverständlich auch. Doch gibt es harmlosere Erscheinungen des Personenkults eben auch in Demokratien, hauptsächlich als Folge von zu langen Amtszeiten, die immer dazu führen, dass auch Gewählte nicht mehr kritisiert werden - mit allen nachteiligen Folgen für Staat und Gesellschaft.
2.) Wieso sehen die Menschen bei Personen wie Hitler nicht auch die schlechten Seiten oder wollen sie die nicht sehen? - Vermutlich weil sie, weil jedenfalls sehr viele, ihre Hoffnungen und Wünsche gerne auf solche "Führertypen" richten. Es ist die Sehnsucht, bei der Hand genommen und in bessere Zeiten und Umstände geführt zu werden, die Kritik, Skepsis und Zweifel allzu leicht ausschalten. Wer gerne autoritär geführt wird, der muss den, dem er vorbehaltlos folgen will, vergöttern und auf ein Podest stellen. Muss ihn größer machen als irgend ein Mensch sein sollte.
Mit Grüßen aus Hamburg
- GEG
Von: Sibylle Ahlers, Berlin
Datum: 05.08.2005
Nachricht: Ich habe gerade Ihre Erinnerungen an meinen Vater gelesen und mich sehr darüber gefreut, wie Sie ihn beschrieben habe. Das wollte ich nur kurz loswerden.
Mit freundlichem Gruß
Sibylle Ahlers
Von: Dr. Felix Lion
Datum: 21.08.2004
Sehr geehrter Herr Gründler!
Es liegt mir ferne, Sie belehren zu wollen, da mir Ihre Aussagen zum Pamir-Untergang aber sehr tendenziös erscheinen und Sie sich selbst als jemanden bezeichnen, der "das Welttheater (...) nur mit halber Aufmerksamkeit verfolgt", möchte ich Sie fragen, ob Sie in der Lage sind, die von Dr.Willner auf der Grundlage von Stenografie-Mitschriften dann im von Ihnen erwähnten Buch getroffenen Aussagen beurteilen zu können?
Insbesondere möchte ich fragen:
1. Haben Sie die Diskrepanzen zwischen den von Ihnen veröffentlichten Uhrzeiten und Inhalten der abgesetzten Funksprüche gegenüber denen von Willner auf der Grundlage der Seeamtsverhandlung veröffentlichten Angaben zur Kenntnis genommen? Ist Ihnen klar, wann das Wegnehmen der Segel begann und wann es abgeschlossen war (nicht wann es gemeldet wurde, Diebitsch musste niemandem umgehend "Vollzug" melden!)? Haben Sie eine klare Vorstellung von den letzten Stunden auf der Brücke?
2. Haben Sie Vorstellungen von den Windgeschwindigkeiten und Kräften in einem tropischen Orkan und seiner Wirkung auf die Wasseroberfläche? Wissen Sie was Seeschlag ist?
3. Haben Sie Willners Ausführungen zum mutmaßlichen Eintrittsort des Wassers und dem möglichen Entstehen eines Lecks am Schiffsrumpf zur Kenntnis genommen und verstanden?
4. Haben Sie Willners Kritik an der logischen Entwicklung die zum Spruch führt verstanden? Das Seeamt gestand zwar, dass es sich nur auf der Grundlage von Wahrscheinlichkeiten äußern konnte, es traf dennoch eine Tatsachenfeststellung, in der es höhere Gewalt ausschließt und mit der es den untergegangenen Kapitän und die Reederei schwer belastete. - Willner gesteht dagegen ein, dass er nur eine Wahrscheinlichkeit feststellen kann.
Warum werfen Sie ihm das vor und unterstützen dagegen die nicht beweisbare Feststellung des Seeamtes, dem kein Rahsegler-Kapitän beisaß.
Was stört Sie daran, dass Kapitän Diebitsch durch Willners Buch nachträglich rehabilitiert wurde? Warum beteiligen Sie sich so spät nach dem Untergang noch an dieser Rufmordkampagne? Die Verfahrensordnung wurde 1985 geändert und heute hätte die Witwe Diebitsch sich anwaltlich vertreten lassen können. Das wurde ihr damals verwehrt, obwohl es im Ermessen des Seeamtes stand, es ihr zuzugestehen; heute dagegen hätte sie ein Recht auf Gehör.
Ich möchte Sie bitten, sich entweder die von Willner zitierten Protokollnotizen zu besorgen und Ihren Internet-Auftritt zum Thema Pamir-Untergang zu überarbeiten oder aber ihn von Ihrer Seite zu entfernen, wenn Sie die Inhalte nicht in dieser Weise überprüfen wollen.
Mit freundlichem Gruß, F.Lion
Von: Gründler
Datum: 24.08.2004
Sehr geehrter Herr Dr. Lion,
Sie wollen mich nicht belehren, schreiben Sie. Stattdessen versuchen Sie, mich zu examinieren, ohne mir aber Ihre Sachkompetenz auch nur andeutungsweise darzutun. Ohnehin stört mich an Ihren Fragen der interrogative Grundton, auf den ich mich nicht einlassen möchte.
Ihr Vorwurf, ich beteiligte mich an einer Rufmordkampagne, ist genauso abwegig, als würde ich Dr. Willner vorwerfen, er habe üble Nachrede gegenüber dem Seeamt Lübeck betrieben. Immerhin sind die Erkenntnisse eines Anwalts der Korrespondenz-Reederei naturgemäß stärker interessegeleitet als die eines Reporters, der weder mit Mitgliedern der Mannschaft, noch mit der Stiftung, noch mit dem Personal des Seeamts oder mit den Gutachtern verwandt, verschwägert, befreundet oder geschäftlich verbunden war und ist.
Sie schreiben selber, dass hinter der Kontoverse um die Seamtsfeststellungen zwei Wahrscheinlichkeiten stehen; ich halte mich an die eine, die auf den vor aller Öffentlichkeit ausgebreiteten Beweismitteln beruht: Danach war es ein Stabilitätsunfall.
Ich habe die Seeamtverhandlung zum Untergang der "Pamir" vom ersten bis zum letzten Verhandlungstag verfolgt. Was von mir dazu veröffentlicht worden ist, beruht auf meinen stenografischen Notizen und unmittelbaren Eindrücken. Die sind nicht weniger authentisch als die von Dr. Willner.
Dass er nach dem Ergebnis der Verhandlung und auf Grund der in seinem Buch zitierten Protokollnotizen zu anderen Schlüssen gekommen ist als ich, was könnte mich daran stören? Ich bin nur der Ansicht, dass er sich irrt und dass er aus einigen von ihm aufgedeckten Diskrepanzen zu weitgehende Schlüsse gezogen hat.
Meine Internet-Seite zum Pamir-Untergang zu überarbeiten oder zu entfernen, sehe ich keinen Anlass.
Mit freundlichem Gruss
GEG
Betr.: Walter Leo
Von: Michael Böhm <ebrennac@gmx.de>
Datum: 4. 2. 2003
Sehr geehrter Herr Gründler,
der Forschungsverbund "SED-Staat" an der Freien Universität Berlin arbeitet derzeit an einer von der ARD in Auftrag gegebenen Dokumentation, die sich mit dem Einfluß des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) auf Hörfunk und Fernsehen in beiden deutschen Staaten beschäftigt. In Zusammenhang mit unseren Recherchen sind wir auf eine ganze Reihe von Personen gestoßen, die wir gern als Zeitzeugen befragen möchten. Eine dieser Personen ist Herr Walter Leo, der meines Wissens in den siebziger Jahren als DDR-Korrespondent des "Vorwärts" arbeitete und Berichte aus Ost-Berlin verfaßte, die beím "Vorwärts" zu kontroversen Diskussionen führten. Nun wurden Sie mir, sehr geehrter Herr Gründler als intimer Kenner des "Vorwärts" empfohlen und so erlaube ich mir zu fragen, ob Sie mir bei der Recherche des Aufenthaltsortes von Herrn Leo irgendwie weiterhelfen können. Vielleicht könnten Sie mich dies wissen lassen; es würde mich freuen.
Walter Leo 1966
Mit freundlichen Grüßen,
i. A. Michael Böhm.
An: Michael Böhm
Datum: 4.2.2003
Hallo, Herr Böhm,
der gute Walter Leo (geb. am 28.2. 1918) ist vor neuneinhalb Jahren (21.8.1993) gestorben. Es tut mir leid, dass er Ihnen als Zeitzeuge nicht zur Verfügung stehen kann. (...) was die kontroversen Diskussionen beim "Vorwärts" ueber seine Berichte aus Ost-Berlin angeht, so finden Sie darüber einiges in meinem 2002 erschienenen Bericht "Einmal vorwärts und zurück" (ISBN 3-8311-3229-1).
Mit besten Gruessen
GEG
*
Von: Natalie Raima, Berlin
Datum: 01.8.2006 11:54
Nachricht: Lieber Gerhard Gründler,
über Ihre Homepage habe ich die Lebensdaten von Walter Leo erfahren. Nun interessiert uns noch wo Walter Leo am 21.8.1993 verstorben ist.
Vielen Dank vorab und viele Grüße
Natalie Raima,
Politisches Archiv am Willy-Brandt-Haus, Berlin
Von: Gründler
Datum: 1.8.2006
Liebe Natalie Raima,
Im Tagebuch (...) fand ich unter dem 3. September 1993 folgenden Eintrag (lt. Anzeige Im Hamburger Abendblatt):
"Trauerfeier für Walter Leo (28.2.1918 - 21.8.1993), Kapelle 10 Ohlsdorf - lt. Traueranzeige - Hinterbliebene: die Kinder Ulrike, Gesine, Annette und Martin, die Enkel Gwen, Rex, Don, Laura, Philipp und Kolja sowie die Schwester Eve. Annette Delinicolas, Im Tale 19, 20251 Hamburg"
Unter der damals angegebenen Adresse findet sich im Telefonbuch jetzt nur noch der Eintrag: Petros Delinicolas (...). Die Tochter Anette lebt vielleicht nicht mehr - oder woanders. (...) Falls Ihr Informationen an Land zieht, schickt mir, bitte, per e-mail eine Kopie.
Mit besten Grüssen
GEG
Nachtrag: Walter Leos Tochter Annette lebt mit Ihrem Mann Petros Delinicolas in Griechenland. Sie hat sich bei mir per e-mail gemeldet, nachdem sie beim Surfen auf obige Einträge gestoßen war.
Betr.: Journalisten-Aktion gegen den Krieg
Von: "Peter Diesler (journalismus.com)" <pdiesler@journalismus.com>
Datum: 18.03.03
Hallo Kollegen,
Sie sind als Journalist mit einer Website in unserem Journalismus-Katalog eingetragen. (...) Angesichts des drohenden Krieges regen wir an, dass sich Journalisten im Netz mit ihren Webseiten zu einer gemeinsamen Anti-Kriegsaktion zusammen finden.
Wir schlagen vor, am Tag des Kriegsausbruchs (vermutlich diese Woche Donnerstag) unsere Webseiten zu schwaerzen, um damit der Opfer des Kriegs zu gedenken. Im Web finden Sie unser Statement "Journalisten gegen den Krieg" hier:
http://www.pickings.de/tiki/tiki-index.php?page=Krieg
Wir wenden uns an alle Journalistenportale und Kollegen, die eigene Webseiten von und fuer Journalisten betreiben. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass es ueblicherweise nicht Aufgabe von Journalisten ist, ausserhalb der Berichterstattung zu politischen Fragen Stellung zu beziehen. Wir meinen aber, das dies in der gegenwaertigen Situation etwas anders liegt.
Gemeinsam mit einer Vielzahl von Journalisten mit einer naturgemaess "nur" symbolischen Aktion ein "Nein" zum Krieg zu sagen, erscheint uns durchaus sinnvoll. Eine zugegebenermassen nur winzige Geste der Betroffenheit ....
Schöne Grüsse aus Bonn,
Peter Diesler
An: pdiesler@journalismus.com
18. März 2003
Lieber Herr Diesler,
ich möchte mich an Ihrer Aktion nicht beteiligen. Nicht weil ich für Krieg bin, sondern weil ich glaube, dass solche Aktionen mit Journalismus nichts zu tun haben. Es sind Bekenntnisübungen, die auf Religions- oder Weltanschaungsseiten ihren Sinn haben mögen, mir aber völlig fern liegen.
Beste Grüße
GEG.
Klaus Müller machte mich darauf aufmerksam, dass ich in einer Erinnerung an Jochen Steffen dessen alter ego Kuddel Schnööf nur mit einem "ö" geschrieben hatte. Ich versprach, das zu korrigieren, woraufhin er nach der Grabstelle des 1987 gestorbenen Kieler Politikers, Journalisten, Kabarettisten, Theoretikers und Mundartschriftstellers fragte.
Betr.: Jochen Steffens Grab
21. Juni. 2002
Hallo Herr Mueller,
mein Kalender sagt: Jochen wurde am 5. 10. 1987 auf dem Friedhof in Kiel-Holtenau beigesetzt. Die Trauerfeier, bei der auch Siegfried Lenz sprach, fand in Altenholz bei Kiel statt. Ich war bei der Beisetzung in Kiel, weiss aber nicht genau die Lage der Grabstelle.
Gruss GEG
27. Juni. 2002
Hallo Herr Gründler,
Ihre Mails habe ich erhalten, vielen Dank! Jochen Steffen habe ich vor vielen Jahren im Fernsehen gesehen. Der Mann hatte eine sagenhafte Ausstrahlung, ein Philosoph! Zufällig fiel mir kürzlich das Taschenbuch "Kuddl Schnööfs achtersinnige Gedankens und Meinungens von die sozeale Revolutschon und annere wichtige Sachens - Mit wat vorweck von Siegfried Lenz" in die Hände. Meine Frau und ich haben herzlich gelacht - und waren betroffen. Ich werde in Holtenau eine rote Nelke auf sein Grab legen. Seien Sie gegrüsst
K. M.
09. August 2002
Hallo Herr Gründler,
heute bin ich nun endlich auf dem Friedhof in Holtenau gewesen. Ein freundlicher Mensch wies mir den Weg zum Grab von Jochen Steffen. Es liegt sehr schön seitens einer Lindenallee mit grossen alten Bäumen. Von der Förde wehte eine milde Brise und Möwengeschrei war unter dem Himmel. Das Grab ist schlicht mit kriechender Eibe dunkelgrün bedeckt. Der Stein ist von besonderer Art: Aus ungeordneten Strukturen heraus wachsen geglättete harmonische Formen, die gleichsam versöhnend aufsteigen. Sein Name steht im Übergang der Formen und Strukturen. Neben dem Stein haben Besucher runde Kiesel niedergelegt. Mit einem Blumengruss habe ich mich verabschiedet. Ihnen nochmals herzlichen Dank und alles Gute!
K. M.
***
10 Januar, 2003
Betr.: Jochen Steffen
Absender: Peter Hodina
Sehr geehrter Herr Gründler,
Soeben sah ich im Fernsehen eine uralte Talkshow (aus 1977), in der u.a. Jochen Steffen zu Gast war.
Eines meiner allerersten Bücher, die ich noch als Gymnasialschüler las, war Jochen Steffens "Strukturelle Revolution". Seither hatte ich kaum mehr etwas von diesem Mann gehört. Nun aber bin ich im Internet auf Ihren schönen Erinnerungstext gestoßen und bin dadurch einigermaßen - in aller Kürze - informiert.
Die Sozialdemokratie hat dadurch nur verloren, daß sie solche Köpfe hinausgedrängt hat - übrigens auch die österreichische. Während die anderen politischen Lager sehr wohl ihre - viel fragwürdigeren - Traditionen unverdrossen weitergepflegt haben, hat die Sozialdemokratie sich in den achtziger Jahren unbedingt zu einer sterilen Partei der Mitte und der Mittelmäßigkeit entwickelt und ist deshalb für viele Leute nicht mehr attraktiv. Wäre sie in den Spuren Willy Brandts oder Bruno Kreiskys verblieben, hätte sie mindestens ebenso viele Stimmen wie sie jetzt hat. Ich weiß nicht, wieso ein Linker mit den Traditionen der Arbeiterbewegung ein Problem haben sollte.
Einen Jochen Steffen finde ich jedenfalls eine ganze Menge sympathischer als einen Tony Blair.
Die noch übrig gebliebenen Linken müssen achtgeben, daß sie nicht in jene "Solidarität von Fuchs und Ente im Magen des ersteren" - wie Jochen Steffen sagte - verstrickt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Hodina
11.01. 2003
Hallo, Herr Hodina,
fuer Ihre E-Mail zu Jochen Steffen, bedanke ich mich vielmals. Es freut mich, dass der alte Text immerhin zu einer ersten Information gereicht hat.
Was Sie über die Mittelmäßigkeit der (deutschen und österreichischen) Sozialdemokratie schreiben, kann ich gut verstehen. Ich kenne die SPD ja einigermaßen von innen und bin sicher, dass sie immer - auch zu Brandts und Kreiskys Zeiten - mittelmäßig war. Darin lag zum Teil ihre Stärke, es hat sie aber daran gehindert, etwas Glanz zu gewinnen, der auch Leute, die mit der Arbeiterbewegung gar nichts mehr anzufangen wissen, anziehen könnte. Immerhin haben Kreisky und Brandt mit ihren starken Persönlichkeiten die Mehrheits- und Regierungsfähigkeit der Sozialdemokratie sichern können. Dazu gehörte freilich auch eine Politik, die mehrheitsfähig war.
Darum hat sich Jochen Steffen niemals geschert. Seine Politik war selbst in Schleswig-Holstein nur fast mehrheitsfähig, und das eben zu einer ganz bestimmten Zeit. Glauben Sie mir, er hat sich auch selber aus der SPD herausgedrängt. Pragmatische Politik, und nur mit der kann man in der Demokratie regieren, lag ihm nun einmal nicht. Brandt mochte ihn, obwohl er sich oft über ihn und seine politischen Querschüsse geaergert hat, war sich aber darüber im klaren, dass Jochen zur Randfigur in der Partei geworden war.
Als Brandts Politik auf dem Sektor Wirtschaft und Finanzen die Mehrheit nicht mehr ueberzeugen konnte, begann sein Machtverfall. Der Spion war eher ein Anlass als ein wirklicher Grund fuer den Rücktritt. Helmut Schmidt konnte die Regierungsfähigkeit der SPD noch acht Jahre bewahren, obwohl er in der Partei (nicht bei den Wählern) immer mehr an Rückhalt verlor. Und Labour hätte ohne Tony Blair den Rückweg an die Macht niemals geschafft. Der mag so unsympathisch sein, wie Sie empfinden, aber er hat eine stattliche Mehrheit der Briten hinter sich bringen können.
Die sozialdemokratische Linke schafft das nicht mehr. Aber sie hat Anspruch darauf, nicht mundtot gemacht zu werden. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie Jochen heute auf die Politik der SPD und ihres Vorsitzenden reagieren würde. Er müsste das ja als "Ehemaliger", als "Aufgehörter" von außen betrachten. Ich glaube, dass es ihn nur noch als Theoretiker wirklich interessiert hätte. Vielleicht hätte er hinter Erscheinungen wie Schröder und Blair einen sozialdemokratischen Bonapartismus entdeckt.
Mit freundlichen Gruessen GEG
In einem Text über meine Kieler Schulzeit habe ich an unseren verehrten Mathematik- und Physiklehrer, Studienrat Dr. Arno Ekke, erinnert, der die Unmöglichkeit des Perpetuum mobiles mit dem schwer widerlegbaren Satz begründete: "Der liebe Gott lässt sich nicht bescheißen." Der harmlose Hinweis zeugte den folgenden Mailwurm:
Betr.: Perpetuum mobile2 Mai, 2002
absender: weidenbusch, München
e-mail-adresse: hot.evildevil@gmx.net
Nachricht: ich wünsche den autor der site zu sprechen, der die existenz eines perpetuum mobiles ausschließt. bitte um kontataufnahme unter hot.evildevil@gmx.net
mfg hans weidenbusch*
Re: Perpetuum mobile
03.05.02
Hallo, Herr Weidenbusch,
der Mann, der die Unmoeglichkeit des pm lehrte, ist leider lange tot. Ich selber glaube zwar immer noch, dass er damit recht hatte, kann aber als Jurist nicht so sicher sein, wie unser Lehrer Dr. Ekke als Naturwissenschaftler es war. Inzwischen wissen wir ja, was alles moeglich ist, obwohl es frueher als unerlaubt und undenkbar galt.
Mit besten Gruessen
GEG*
Betr.: kniffliger kniffel
03.05.02
hallo herr gründler
vielen dank für ihre amüsante antwort. sie schließen nichts aus. das ist ein gutes sokratisches rezept, das ich auch gern koche.
ich dachte, ich hätte in ihrer bio gelesen, sie hätten irgendwie ingenieur studiert. um ihnen ein weiteres meiner rezepte nahezubringen, versuche ich aus unserer bekanntschaft doch noch etwas zu machen. ich bitte sie, mir aus freien stücken zu sagen, inwieweit es aus rechtlicher sicht möglich ist, gegen die allgemeingültigkeit eines axioms zu klagen, wenn man den widerspruchsfreiheitsanspruch des axioms mathematisch definitiv (juristisch beweisbar) bestreiten kann. und gegen wen klagt man dann eigentlich ?
hoffentlich fällt ihnen dazu was ein? denken sie, es gibt so ausgeflippte anwälte, die bei ausreichenden beweisen klagen würden, und gleichzeitig noch im besitz ihrer lizenz sind? würde mich durchaus freuen, nochmal was von ihnen zu hören.
mfg
hans weidenbusch
*
Re: kniffliger kniffel
07.05.02
Hallo, Herr Weidenbusch,
ich habe ja eben nicht auf Ingenieur studiert, sondern auf Jus. Da haben Sie ein wenig zu fluechtig gelesen. Im uebrigen sollten wir unseren Gedankenaustausch nicht noch weiter ins scholastische Fahrwasser bugsieren. Am Ende wuerden Sie das Beispiel eines solchen, sich selber fortspinnenden E-Mail-Austauschs schon als Indiz fuer die Realisierbarkeit des Perpetuum mobiles ausgeben. Dazu werde ich mich nicht verfuehren lassen.
Zu Ihrer Frage:
1. Die "Allgemeingueltigkeit eines Axioms" ist ueberhaupt nicht passiv legitimiert und deshalb auf dem Klagewege auch gar nicht zu packen. Gegen sie kann also niemand klagen. Wenn der Erstverkuender der Allgemeingueltigkeit des Axioms unbekannt oder - was naeher liegt - verstorben ist, laesst sich auch gegen ihn wenig machen, obwohl er vielleicht passiv legitimiert waere bzw. gewesen ist. Und seine Epigonen duerften so zahlreich sein, dass es sinnlos waere, gegen einen oder auch nur einige die Gerichte zu bemuehen. Alle sind ja eh nicht erreichbar. Duerfte auch zu teuer werden, und aufs Armenrecht koennte ein Klaeger bei so einem luxurioesen Prozessgegenstand ohnehin nicht hoffen.
2.Wenn irgendein Schlaumeier meint, er koenne den "Widerspruchsfreiheitsanspruch" des Axioms mathematisch definitiv - also juristisch beweisbar - bestreiten, so ist doch unwahrscheinlich, dass ihm irgendein Richter fuer so einen puren Luxusanspruch ein Rechtsschutzinteresse zubilligen wuerde. Von Zustaendigkeit, Gerichtsstand und anderen prozessualen Finessen gar nicht zu reden. Die letztinstanzliche Kompetenz des juengsten Gerichts bleibt selbstverstaendlich unberuehrt. Anwaelte, die sich fuer derlei windige Sachen anzudienen pflegen, finden sich freilich zuhauf.
Nein, bevor ich zu einer solchen Klage raten wuerde, kaeme ich Ratsuchenden immer mit einer Literaturempfehlung, die ich auch wieder meinem schon erwaehnten Kieler Mathe- und Physiklehrer Arno Ekke verdanke: Die Story "Das Automobil" aus Gustav Meyrinks Buch "Des deutschen Spießers Wunderhorn". Dort koennen Sie nachlesen, was Axiome gegen die Realitaet selbst des Otto-Motors auszurichten vermoegen.
Mehr wird nicht verraten. Lesen muessen Sie schon selber.
Mit gespannter Erwartung und besten Gruessen
GEG
*
Betr.: nicht sein oder werden
07.05.02
lieber herr gründler
oder ist ihnen geschätzter orange-jus (oder apfel, das weiß ich leider nicht ), lieber?
mit allergrößtem vergnügen, ist es mir gelungen, ihre nachricht zu entschlüsseln. ich hoffe sie sind im nehmen ebenso seelig, wie im geben, aber ich denke wohl. und nun feuer frei.
sehr geschickt von ihnen, sich der alten weisheit zu entziehen, ich denke, sie haben instinktiv erkannt, daß ihre ambiguitaetstoleranz nicht ausreichend trainiert ist, um in der strömung des erwähnten fahrwassers zu bestehen. das spricht für sie. der urheber des axioms muß ein engländer mit langen haaren, wahrscheinlich ein hippie, gewesen sein. beton oder newton. ich weiß nicht.
lassen sie ruhig die bewahrer des zu bewahrennden, bewahrenderweise meine sorge sein. sie brauchen ihr kohärenzgefühl nicht über zu stapazieren. geld spielt dabei keine rolex, denn was lacostet schon die welt. und wenn das nicht passiv legitimiert ist, was dann ?
ich habe vorab bereits im januar eine antrag beim jüngsten gericht eingereicht. man sagte mir, ich hätte größte chancen auf ein mir gewogenes urteil, aber sämtliche verhandlungen, mit gerichtsstand paradies, sind auf den jüngsten tag angesetzt. soviel geduld hätte ich zwar, aber keinesfalls die erforderlichen genome dazu. sollten sie einen ihrer kollegen dazu bewegen können, zu klagen, oder mich an eine solchen zu vermitteln, dann tun sie es bitte.
danke auch für ihren hervoragenden literaturverweiß. auch ich möchte ihnen einen solchen erteilen. als intimer kenner vom meyergustl, wie wir früher zu sagen pflegten, wird ihnen das folgende möglicherweise bekannt vorkommen: " ich wollte mir das netz ( den simplicissimus ) als forum erschleichen, um die mir heilige sache gewissermassen rückwärts dem publikum beizubringen." - wenn sie ebenso einen herrn kafka schätzen, so wissen sie, daß man prinzipiell überhaupt keinen grund braucht, wenn man einfach die klage selbst zum mittelpunkt der klage an sich macht. könnte man mich dafür eigentlich verklagen ? ich würde mich nicht darüber beklagen !
wenn sie das nun alles verknüpfen, so werden sie zweifelsfrei auf einem gewissen herrn ringelnatz stoßen, der ihnen in anlehnung an unsere sache sagen würde: stundenlang saß publikum - merkte nicht, daß es zu dumm. das bringt mich auf den gedanken, ihnen zu sagen, daß die verführendste eigenschaft der verführung ist, nicht zu merken, daß man verführt wird, auch wenn man sich selbst so er- oder auspresst, bis man ein jus wird.
ich hoffe sie denken an ;-) ;-) ;-), und nehmen die herausforderung wieder an. sie sind ein besseres adequat als die meisten, wenn nicht als alle. die wollen alle nur recht haben, und sie haben soviel, daß sie es sogar verkaufen.
mit freundlichsten grüssen aus muenchen
ihr hans weidenbusch
*
Re: nicht sein oder werden
09.05.02
Lieber Herr Weidenbusch,
bevor wir uns nun mit Rolex und Lacoste auf dem Weg nach Kalau verlaufen, sollten wir in unserem Dialog eine Pause einlegen. Bei Ihrem frueheren Text habe ich ja das Petitum noch verstanden, und dazu einen rechtswirksamen Bescheid erteilt. Bei Ihrem letzten Schriftsatz wurde mir dieses Vergnuegen leider nicht zuteil. Wie Sie richtig bemerkt haben, hapert es mit meiner Ambiguitaetstoleranz. So weiss ich also nicht, was ich sinn- oder unsinnsvoller Weise diesmal haette antworten sollen. Bis demnaechst mal wieder - mit besten Gruessen aus Hamburg von
Gerd Gruendler
*
Nachtrag
Hans Weidenbusch hat inzwischen auf seiner eigens dafuer geschaffenen Website www.hansweidenbusch.de ein Preisgeld von sage und schreibe einer Million € ausgesetzt, das derjenige erhalten soll, der streng wissenschaftlich drei seiner Behauptungen falsifiziert, durch die - im Widerspruch zu Newton und Einstein - der Drehimpulserhaltungsatz widerlegt wird.
Betr.: Reichstagsbrand
Hamburg, 6. März 2001
An: Frau Ute Kaiser, Chefredakteurin des journalist
Von: Gerhard E. Gründler, Hamburg
Sehr geehrte Frau Kaiser,
als Leser und Mitglied des DJV bitte ich darum, die folgende Zuschrift abzudrucken. Die einseitige Darstellung unter der Schlagzeile "Schlag in trübes Wasser" wird dem Stand der zeitgeschichtlichen Diskussion um den Reichstagsbrand keineswegs gerecht. - Mit freundlichen Grüßen
Leserbrief
Es hat mich doch sehr verwundert, mit welcher Leichtfertigkeit Holger Becker (journalist 2/2001) die These verbreitet, der Spiegel habe mit seiner auf die Nachforschungen von Fritz Tobias gestützten Serie über den Reichstagsbrand eine kardinale "Geschichtsfälschung" betrieben. Hat sich die Redaktion wirklich davon überzeugen können, dass die von Beckers Gewährsmann Hersch Fischler aufgestöberten Dokumente den Schluss zulassen, Augstein und der Spiegel hätten die These von der Alleintäterschaft van der Lubbes zu "revidieren"?
Wie die bisher aufgetretenen Revisionisten kann auch Becker nicht mit einem einzigen Beweis für die Mitwirkung der Nationalsozialisten oder anderer Täter am Reichstagsbrand aufwarten. Da werden alle möglichen Hintergrundgeschichten aus dem Münchner Institut für Zeitgeschichte und längst bekannte Interna aus der Frühzeit des Spiegel zu einem Verdachtsbrei zusammengerührt, obwohl es doch nach wie vor um die eine Frage geht: Wer ist für den Reichstagsbrand verantwortlich? Noch hat niemand mit gleichermaßen kräftigen Indizien nachweisen können, dass Mittäter im Spiel waren, so wie Fritz Tobias dargetan hat, dass es van der Lubbe allein war, der den Brand gelegt hat.
Auch die unlängst von Alexander Bahar und Wilfried Kugel veröffentlichte Dokumentation "Der Reichstagsbrand. Wie Geschichte gemacht wird." ist - wie der Berliner Historiker Henning Köhler als Rezensent der FAZ bilanziert hat - mit der Bemühung gescheitert, die Mitschuld der Nationalsozialisten zu belegen: "Die Methode, nach der das Machwerk verfertigt wurde, ähnelt dem der Holocaustleugner; man biegt und dreht und fälscht ein Konstrukt zusammen, von dem man hofft, daß es die von der Schuld der Nazis Überzeugten neu motivieren wird. Aber deren Zahl wird immer geringer."
Die Zeitschrift des Deutschen Journalistenverbandes sollte sich mangels eines eigenen zeithistorischen Apparates in der anhaltenden Kontroverse um etwas Abstand zu den streitenden Parteien bemühen. Ich empfehle der Redaktion, es bis zur Vorlage überzeugender neuer Beweise mit der These zu halten, die der Historiker Ulrich von Hehl 1988 formuliert hat: Die Alleintäterschaft van der Lubbes sei sehr wahrscheinlich, die Brandstiftung durch die Nazis hingegen nur eine vage Denk-Möglichkeit.
abgedruckt in journalist 4/2001
*
Von: Dr. Jürgen Schmädeke, Berlin-Lankwitz
10. April 2001
Sehr geehrter Herr Gründler,
"sehr verwundert" bin ich über Ihren Leserbrief im journalist 4/2001, in dem Sie Henning Köhler in einer Weise zitieren, dass man meinen könnte, Sie identifizieren sich mit seiner - gelinde gesagt - recht merkwürdigen Argumentation.
Ich benutze Ihre dort freundlicherweise mitgeteilte Internet-Adresse, um Ihnen einen Aufsatz aus der "Historischen Zeitschrift" zukommen zu lasen, den Sie offenbar noch nicht zur Kenntnis genommen haben. Ich füge noch einen Internet-Beitrag hinzu, der ursprünglich als Rezension im Tagesspiegel erschien und sich insbesondere mit den "Fälschungs"-Vorwürfen des Herrn Köhler befasst. Da ich Sie als einen seriösen Journalisten und Autor schätze (Ihr Buch über den Nürnberger Prozess gehört seit fernen Studentenzeiten zum Bestand meiner Bibliothek), würde ich mich über eine Antwort freuen.
Falls Sie den HZ-Beitrag ausdrucken möchten, empfiehlt es sich zur Papier-Ersparnis, den Drucker so einzustellen, dass er 2 Seiten auf ein A-4-Blatt druckt. Sie finden den Aufsatz sonst auch im Internet unter der Adresse: http://www.zlb.de/projekte/kulturbox-archiv/brand/schmaedeke1999-2-1.html. Der andere Artikel steht dort unter: http://www.zlb.de/projekte/kulturbox-archiv/brand/schmaedeke1999.html. - Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Schmädeke
*
20 April 2001
Sehr geehrter Herr Dr. Schmädeke,
Ihre E-Mail mit den beiden Aufsaetzen habe ich erhalten und danke Ihnen dafuer. Wir sind beide sicherlich gemeinsam der Ansicht, dass die These von der Alleintaeterschaft van der Lubbes umstritten bleiben wird. Ihre Texte zeigen mir, dass Sie sich in dem Streit auch weiterhin engagieren werden.
Ich bin kein Historiker, sondern Jurist und moechte mich darauf beschraenken, abzuwarten, ob all jene, die in den Darlegungen von Fritz Tobias die eine oder andere Unstimmigkeit oder offene Frage entdecken, nun endlich mal ein Beweisstueck fuer die Mitwirkung der Nazis auf den Tisch legen werden. Bislang haben sie nach meiner Einschaetzung nicht mehr herausgefunden, als dass die Nazis ein Motiv dafuer und auch Moeglichkeiten dazu gehabt haetten. Das halte ich fuer einen mageren Ertrag angesichts der gewaltigen Anstrengungen.
Meinen Leserbrief im DJV-Organ habe ich geschrieben, weil ich mich gewundert hatte, wie ein Zunftgenosse auf so duenner Beweisgrundlage von "Geschichtsfaelschung" seitens des Spiegels und seines Serienautors Fritz Tobias sprechen konnte.Wenn Sie versuchen, aus Erregung ueber Prof. Koehler (dem ich uebrigens niemals begegnet bin) mich gegen ihn einzunehmen, so fuehrt das in der Sache auch nicht weiter, sondern nur zu weiterer Vernebelung des Umstands, dass hier nach wie vor starke Wahrscheinlichkeit gegen unzureichenden Verdacht steht.
Da Sie den Weg ueber die mehr oder weniger offene E-Mail gewaehlt haben, erlaube ich mir, den Herren Koehler und Tobias von diesen Zeilen Kenntnis zu geben.
Mit freundlichen Gruessen
GEG, Hamburg
Siehe dazu: Wie war das mit dem Reichstagsbrand?
An: leserbriefe@faz.de
Betr: Haffner-Kolumne
26. August 2001
Sehr geehrte Redaktion,
als langjaehriger Abonnent bitte ich darum, den folgenden Text
als Leserbrief abzudrucken. - Mit freundlichem Gruss...
Leserbrief
Jürgen Peter Schmied schreibt in seinem Beitrag "Immer die Gegenwart im Blick" (FAZ vom 25. 8. 2001) über Sebastian Haffners am 25. Juni 1967 veröffentlichte Kolumne "Die Nacht der langen Knüppel", die Redaktion des "stern" habe sich von dem Text distanziert. Als der damals verantwortliche Redakteur für die Haffner-Kolumne erlaube ich mir dazu eine korrigierende Anmerkung:
Es war der Verleger Dr. Gerd Bucerius, der während meines Urlaubs und in Abwesenheit des Chefredakteurs Henri Nannen eigenhändig einen distanzierenden Vorspann für "Die Nacht der langen Knüppel" verfasst hat: "Nur weil wir die Meinungsfreiheit wirklich für das höchste Gut der Demokratie halten, geben wir Sebastian Haffner das Wort zu seinem Aufschrei über die Berliner Vorfälle... Vergleiche mit Pogrom, SS, Faschismus, Auschwitz und Schreibtischtätern halten wir in diesem Zusammenhang für ganz und gar abwegig."
Ich habe diese Distanzierung für einen Fehler gehalten. Erstens konnte die Staatsanwaltschaft daraus schließen, dass sich der verantwortliche Redakteur seiner Sache nicht sicher war und einen beleidigenden Charakter der Kolumne für möglich hielt. Diesem Fehlschluss erlag der Staatsanwalt denn auch. Zweitens setzte ein solcher Vorspruch im Ausnahmefall die Redaktion dem Missverständnis aus, sie sei mit allen übrigen Texten des Verfassers mehr oder weniger einverstanden. Damit wird aber die Rolle eines Kolumnisten abgewertet. Er schreibt am besten auf eigene Rechnung und Gefahr.
Auf Betreiben Berliner Polizisten erhob die Staatsanwaltschaft Hamburg Anklage wegen Beleidigung gegen den Verfasser und den verantwortlichen Redakteur. Doch konnte die Sache nicht vor Gericht ausgetragen werden, weil wir in den Genuss der Amnestie von 1970 kamen. Ich war und bin davon überzeugt, dass Haffners scharfer und polemischer Angriff im Hinblick auf die Berliner Vorgänge nach der Erschießung Benno Ohnesorgs als Meinungsäußerung im Lichte der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts sehr wohl vertretbar war.
Gerhard E. Gründler, Hamburg
(erschienen in der FAZ vom 31. August 2001)
Betr: Der Stern und die Kampagne gegen Lübke
Herrn Dr. Hubertus Knabe
Gedenkstätte Hohenschönhausen
Genslerstr. 66, 13055 Berlin
26. März 2001
Sehr geehrter Herr Dr. Knabe,
mit Interesse habe ich in der FAZ vom 22. März Ihren Beitrag "Hetzer, Fälscher, Meinungsmacher" gelesen. Es fällt mir nicht leicht, zu Ihrer verdienstvollen Untersuchung mit Kritik an einem für den Gesamtkontext unbedeutenden Detail aufzuwarten. Ich tue es nur, weil ich, ohne dass Sie es wissen konnten, ein Betroffener bin.
Der stern, schreiben Sie gegen Ende Ihres Artikels, war "durchaus bereit..., propagandistisch aufbereitete Materialien aus der DDR zu verwenden", wie er 1966 bei der Kampagne gegen Bundespräsident Heinrich Lübke bewiesen habe. Nach meiner Erinnerung hat der stern, dessen innenpolitischer Ressortleiter ich damals war, erst ab 1967 über die Vorwürfe gegen Heinrich Lübke berichtet. Die Redaktion hat es aber eben nicht bei propagandistisch aufbereiteten Materialien bewenden lassen. Vielmehr ließen wir, unterstützt von dem Schweizer Schriftsteller Frank Arnau, die von Ost-Berlin zur Verfügung gestellten unverfälschten Originale von Bauzeichnungen der Baugruppe Schlempp von einem amerikanischen Sachverständigen überprüfen. Ich lege die von mir verfasste Geschichte darüber in Kopie bei.
Was die propagandistische Aufbereitung angeht, so hat es damit nach unseren damaligen Recherchen folgende Bewandtnis: Übereifrige Propagandisten Nordens (des SED-Chefagitators), die mit Kopien arbeiteten, hatten die auf den Originalen sehr wohl vorhandenen Unterschriften Lübkes auf einigen Kopien nachgezogen, um sie kräftiger hervortreten zu lassen. Das war ja bekannt geworden und hatte uns veranlasst, die Originale prüfen zu lassen. Diese Originale hatte Ost-Berlin übrigens nach der Propagandapanne auch der Bundesregierung zur Prüfung angeboten. Doch das Bonner Innenministerium lehnte dieses Ansinnen ab.
Mit freundlichen Grüßen
Anlage
(siehe: Waren Lübkes Unterschriften gefälscht?)
*
Der Brief wurde weder bestätigt noch beantwortet.
4. Juni 2001
Sehr geehrter Herr Dr. Knabe,
es hat mich doch ein wenig verwundert, dass Sie es nicht über sich gebracht haben, mir mein Schreiben vom 26. März wenigstens zu bestätigen, wenn Sie es denn schon einer Antwort nicht für wert erachteten. Immerhin haben Sie ja den zunächst erhobenen Vorwurf, der "stern" sei durchaus bereit gewesen, "propagandistisch aufbereitete Materialien" gegen Bundespräsident Lübke zu verwenden, offenbar fallen gelassen. Ich habe Ihnen ja geschrieben, dass die Redaktion eben dazu gerade nicht bereit war.
Ersatzweise erklären Sie nun in Ihrem Buch das Verfahren, die Originaldokumente daraufhin prüfen zu lassen, ob sie tatsächlich von Lübke unterschrieben worden waren, für "problematisch". Immerhin lassen Sie damit listigerweise offen, ob es nicht doch zu einem korrekten Ergebnis geführt hat.
Um das Verfahren gleichwohl zu problematisieren, ist Ihnen zum einen nichts besseres eingefallen, als an das Versagen von Gutachtern im Fall der gefälschten Hitler-Tagebücher zu erinnern. Als ob die Qualität des in seinem Renommee unangefochtenen Schriftsachverständigen im Fall Lübke mit den Talenten der für die Hitler-Tagebücher herangezogenen "Spezialisten" vergleichbar wäre. Jedenfalls sollten Sie sich davor hüten, ohne den Hauch von Indizien - geschweige denn von Beweisen - am Ruf des Sachverständigen J. Howard Haring posthum zu kratzen.
Zum anderen glauben Sie, die Prüfung der Lübke-Unterschriften dadurch ins Zwielicht rücken zu können, dass Sie den Überbringer Frank Arnau als kommunistischen "fellow traveller" abtun. Die Bezeichnung mag als Meinungsäußerung über einen in der Tat politisch zwielichtig erscheinenden Mann hingehen. Nur ist damit die Echtheit der Unterschriften nicht widerlegt. Auf die Würdigkeit des Überbringers kann es nicht ankommen, solange Sie keine Verdachtsmomente dartun können, die eine Manipulation durch ihn als möglich oder wahrscheinlich erkennen lassen.
Bundespräsident Lübke hat in seinen öffentlichen Äußerungen vor seiner vorzeitigen Amtsaufgabe denn auch gar nicht mehr bestritten oder bestreiten lassen, dass die Dokumente mit seinen Unterschriften echt waren. Dass er mit KZ-Bauten und sogar dem Einsatz von KZ-Häftlingen noch viel mehr zu tun hatte, als er zugeben mochte, hat Jens-Christian Wagner (Spiegel, 22, 2001) aus dem Fundus der Gauck-Behörde ans Licht gebracht. Es lohnt sich offenbar, dort noch tiefer zu graben, als Sie es für nötig hielten.
Mit besten Grüßen
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Genslerstraße 66, 13055 Berlin
15. Juni 2001
Sehr geehrter Herr Gründler,
bezugnehmend auf Ihre beiden Schreiben möchte ich Sie auf mein 1999 erschienenes Buch "Die unterwandte Republik.Stasi im Westen" hinweisen, in dem die Kampagne der DDR gegen Heinrich Lübke ausführlich dargestellt wird. Ich denke, dass daraus sehr deutlich wird, wie (nicht nur) der Stern seinerzeit zum Verstärker einer einseitigen und ausschließlich politisch motivierten Propaganda der SED-Führung wurde. Ich würde mich freuen, wenn die Beteiligten diese ihre Rolle 35 Jahre danach kritischer reflektieren würden.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Hubertus Knabe
Wissenschaftlicher Direktor
*
Modus operandi? Ungefähr so: A. erhebt gegen B. den Vorwurf, Falschgeld in Umlauf gesetzt zu haben. B. widerspricht. A. gerät in Beweisnot, lässt den Vorwurf stillschweigend fallen und sagt: "Wie dem auch sei, das Geld wurde jedenfalls für Zwecke benutzt, die ich für verwerflich halte." Was von der dicken Enthüllung bleibt, ist also ein magerer politischer Dissens. - So verhüllt kann es zugehen, wenn ein "wissenschaftlicher Direktor" sich gezwungen sieht, seine eigene Rolle als Enthüller kritisch zu reflektieren. Der arme Lübke war ein frommer Mann und wusste vermutlich besser als seine Kritiker und seine übereifrigen Fürsprecher, dass die zu seinen Lebzeiten aufgetauchten Dokumente über seine Rolle beim Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen noch harmlos waren im Vergleich zu denen, die es noch gab und die inzwischen auch gefunden worden sind.
DJV-Landesverband Hamburg
Frau Dr. Annegret Witt-Barthel
Rödingsmarkt 52
20495 Hamburg
Hamburg 20.11. 2000
Betr.: Hamburger Bekenntnis für Zivilcourage
Sehr geehrte Frau Dr. Witt-Barthel,
überhaupt keine Schwierigkeiten hätte ich damit, die Berliner Erklärung des DJV gegen rechte Gewalt zu unterschreiben. Mit dem Hamburger Bekenntnis ist das eine andere Sache. Ich habe es genauer angeschaut und kann mich vorbehaltlos nur hinter die beiden ersten Punkte stellen, die freilich Selbstverständlichkeiten ausdrücken, was aber ja heute wohl notwendig ist.
Bei den übrigen Punkten möchte ich es lieber mit einem schon verstorbenen Bonner Abgeordneten halten, der immer dazu riet, „niemals etwas zu unterschreiben, an dessen Formulierung du nicht mitwirken konntest“. Dazu im einzelnen:
„Wir wollen, dass alle wachsam sind, den Intoleranten widersprechen und den Gewaltbereiten mutig entgegentreten.“ Ich möchte den Mut anderer nicht einfordern.
„Wir wollen, dass überall und jederzeit für diese Haltung eingetreten wird.“ Das jederzeit erinnert an die Melodie von der Treuepflicht der Beamten; außerdem sollte man für eine Haltung nicht eintreten, sondern sie stattdessen lieber selber einnehmen.
Die drei letzten Punkte laufen auf eine Identifizierung mit allen hinaus, die unterschreiben. Das fällt mir schwer. Mir gar noch mit eigener Unterschrift zu bescheinigen, auch ich als einer von allen zeige Zivilcourage, wäre mir peinlich.
Mit freundlichen Grüßen
GEG
Profile
© Gerhard E. Gründler
www.gerdgruendler.de
15.02.2010
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